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Survey Code – Damage Code

Im Bereich des internationalen Containerverkehrs sind Inspektions- und Schadenskodierungen (Survey Code, Damage Code) die Grundsprache, die alle Akteure der globalen Logistikkette verbindet – von Reedereien über Leasinggesellschaften, Reparaturwerkstätten bis hin zu Versicherungen und Inspektoren. Es handelt sich um standardisierte alphanumerische Identifikatoren, die dazu dienen, den Typ, den Ort und das Ausmaß von Schäden oder Mängeln an einem Container präzise, eindeutig und schnell zu erfassen.

Hauptziele der Damage/Survey-Codes:

  • Ersatz mehrdeutiger Textbeschreibungen durch strukturierte Daten
  • Schnelle, präzise und universelle Kommunikation über die gesamte Branche hinweg (einschließlich EDIelektronischer Datenaustausch)
  • Effiziente Planung und Abrechnung von Reparaturen
  • Minimierung von Haftungsstreitigkeiten
  • Gewährleistung der Einhaltung von Sicherheitsnormen (ISO, IMO, IICL)

Das moderne Schadenskodierungssystem basiert auf internationalen Standards, insbesondere CEDEX (Container Equipment Data Exchange, ISO 9897) und IICL. Diese Systeme bilden den Grundstein für Digitalisierung, Automatisierung und Datenanalyse im Containerpark-Management.

Woraus besteht der Damage Code? (Anatomie eines Schadenseintrags)

Jeder Schadenseintrag (Damage Code Line) besteht aus einer Kombination mehrerer Codes, die zusammen folgende Informationen beschreiben:

  • Komponente (welcher Teil des Containers)
  • Lokalisierung (wo genau)
  • Schadenstyp (was ist passiert)
  • Empfohlene Reparatur (wie zu beheben)
  • Größe/Umfang (wie viel/wie groß)

Struktur des Eintrags

FeldBedeutungBeispielcodeErklärung
KomponentencodeWas ist beschädigtSPRRechtes Seitenpanel
LokalisierungscodeGenaue PositionRB5NRechte Seite, untere Hälfte, Bereich 5
SchadenskodeSchadenstypDBeule (Dent)
ReparaturcodeEmpfohlener EingriffSTBegradigung (Straighten)
GrößeUmfang100x200x20mmLänge × Höhe × Tiefe der Beule

Schlüsselcodes und ihre Bedeutung

1. Komponentencodes (Component Codes)

Komponentencodes bestimmen den genauen Containerteil, an dem der Schaden aufgetreten ist. Sie basieren auf der ISO-Konstruktion von Containern und sind detailliert für Standard-, Kühl- und Spezialcontainer unterschieden. Beispiele der häufigsten Komponenten:

CodeNameBeschreibung
CPACorner Post AssemblyEckpfosten (komplette Baugruppe)
CFGCorner FittingEckbeschlag – Befestigung für Kran oder Stapeln
DAHDoor Assembly HardwareKomplette Türflügel mit Zubehör
LBALocking Bar AssemblyVerriegelungsstange (Türmechanismus)
GSKGasketTürdichtung (Gummi)
FLRFloorBoden (z.B. aus Sperrholz)
FLAForklift Pocket AssemblyStapler-Tasche-Baugruppe
SPRSide Panel RightRechtes Seitenpanel
SPLSide Panel LeftLinkes Seitenpanel
RFPRoof PanelDachpanel (Blech)
CMUCrossmember UnderframeBodenlängsträger (Träger)

Für Kühl- (Reefer) und Spezialcontainer existieren zusätzliche spezifische Codes (z.B. Isolierung, Kühlanlage, Sensoren).

2. Lokalisierungscodes (Location Codes)

Lokalisierungscodes bestimmen die genaue Position auf dem Container mittels eines vierstelligen Systems (virtuelles Gitter). Sie kombinieren Seite, Segment und Bereich:

PositionBedeutungOptionenBeispiel
1. ZeichenSeiteR (Right), L (Left), F (Front), D (Door), T (Top – Dach), U (Underframe – Fahrwerk), B (Bottom – Boden), I (Inside – Innen)D (Door)
2. ZeichenSegmentT (Top), B (Bottom), H (Half), G (General), L (Lower), R (Right), X (All)B (Bottom)
3.–4. ZeichenBereich1–10, N, XX5N (Bereich 5)

Beispiel: DT2N = Türseite, obere Hälfte, Bereich 2

3. Schadencodes (Damage Codes)

Diese Codes beschreiben den Charakter des Schadens in standardisierter Form:

CodeNameBedeutung/Beschreibung
BBentVerformung, Verbiegung
BRBrokenGerissenes, gebrochenes Teil
CCutSchnitt, Durchschnitt
CRCrackedRiss (nicht vollständig durchgehend)
CSTCorrosionKorrosion, Rost
DDentBeule, Delle
HHoleDurchbruch, Loch
MMissingFehlender Teil
SScratchKratzer (Oberflächenschaden)
TTornRiss, Beschädigung des Blechs

Hinweis: Codes können kombiniert und je nach Containertyp und Schadensart weiter präzisiert werden.

4. Reparaturcodes (Repair Codes)

Standardisierte Reparaturcodes bestimmen den empfohlenen Eingriff:

CodeBedeutungBeschreibung
CLCleanReinigung, Entfernung von Verschmutzung und Rost
HTHeat TreatmentWärmebehandlung (z.B. Panelbegradigung)
INInsertAusschnitt und Einfügung eines neuen Teils
PTPaint/TreatAnstrich, Oberflächenschutz
RPReplaceKompletter Teileaustausch
STStraightenMechanische Begradigung
WDWeldSchweißen (Reparatur von Rissen, Löchern)

5. Größen- und Quantifizierungscodes

Der Eintrag enthält auch Schadensabmessungen (z.B. 120×80×15 mm) oder Stückzahl, Länge oder Fläche. Diese Daten sind entscheidend für die genaue Kalkulation der Reparaturkosten und Arbeitsplanung.

Beispiel eines Schadenskode-Eintrags

SPL-B5N-D-ST 250x120x25mm

Erklärung:

Linkes Seitenpanel, untere Hälfte, Bereich 5, Beule (Delle), Begradigung, Größe 250×120×25 mm.

Die wichtigsten internationalen Standards

CEDEX (Container Equipment Data Exchange, ISO 9897)

  • Globaler Standard für strukturierte Kommunikation über Containerzustand und Reparaturen
  • Verwaltet durch BIC (Bureau International des Containers)
  • Entscheidend für EDI und Digitalisierung von Prozessen zwischen allen Akteuren
  • Wird ständig aktualisiert, mit Fokus auf Eindeutigkeit und maschinelle Lesbarkeit

IICL (Institute of International Container Lessors)

  • Legt Inspektions- und Reparaturkriterien fest (z.B. IICL-6, UCIRC)
  • Konzentriert sich auf die Praxis von Werkstätten, Leasinggesellschaften und Versicherungen
  • Definiert, wann ein Schaden „außerhalb des Standards” liegt und repariert werden muss

COA (Container Owners Association) – Harmonisierung

  • Initiator der Vereinheitlichung verschiedener Code-„Dialekte”
  • Definierte die sogenannte COA CEDEX Syntax – gültige Code-Kombinationen für Datenaustausch
  • Ziel ist globale Interoperabilität, einfache Digitalisierung und Automatisierung

Rolle des Containerinspektors (Container Surveyor) und Inspektionstypen

Damage/Survey-Codes sind das grundlegende Arbeitswerkzeug des zertifizierten Inspektors. Ihre Anwendung ist entscheidend in diesen Prozessen:

  • On-hire Survey – Eingangskontrolle vor Vermietung (Schutz des Mieters vor Abrechnung alter Schäden)
  • Off-hire Survey – Ausgangskontrolle nach Rückgabe (Identifikation neuer Schäden, Grundlage für Reparaturabrechnung)
  • Condition Survey – Laufende Zustandskontrolle (Cargo Worthy, Wind & Watertight usw.)
  • Post-repair Survey – Kontrolle nach Reparatur (Überprüfung der Einhaltung von Anforderungen, Systemregistrierung)

Achtung: Für alle diese Zwecke ist die Genauigkeit und Konsistenz der Aufzeichnungen entscheidend – im Falle von Streitigkeiten dienen sie als Schlüsselbeweis.

Beziehung zu anderen Containermarkierungen und Zertifizierungen

Schadencodes sind eng mit anderen obligatorischen Identifikationen verknüpft:

  • ISO-Containernummer (ISO 6346) – Eindeutige Identifikation, alle Aufzeichnungen sind einer bestimmten Nummer zugeordnet
  • CSC-Plakette (Convention for Safe Containers) – Internationale Sicherheitszertifizierung (IMO); schwerwiegende Schäden können die CSC-Gültigkeit vorübergehend ungültig machen => Reparatur und Neuinspektion erforderlich

Trends und Zukunft der Schadenkodierung: Digitalisierung und Automatisierung

Mit der rasanten Entwicklung von Digitalisierung und Automatisierung entstehen grundlegende Veränderungen bei der Erkennung und Verarbeitung von Containerschäden:

Automatisierte Schadenerkennung

  • Hochgeschwindigkeitskameras und KI-Systeme an Häfen und Depots erfassen Container automatisch beim Durchfahren
  • Maschinelles Lernen wertet Bilder aus und vergleicht sie mit einer Datenbank früherer Inspektionen
  • Automatisch generierte Schadencodes ohne menschliches Zutun (z.B. Erkennung von Beulen, Korrosion, fehlenden Teilen)

Online-Plattformen und Cloud-Berichterstattung

  • Mobile Apps und Cloud ermöglichen sofortige Kodierungserfassung durch den Inspektor vor Ort
  • Sofortiger Datenzugriff für Eigentümer, Mieter und Reparaturbetriebe
  • Deutliche Beschleunigung des Genehmigungszyklus und der Reparaturdurchführung

Big Data und prädiktive Wartung

  • Analyse großer Mengen standardisierter Aufzeichnungen offenbart Trends und Risikofaktoren (z.B. bestimmte Routen, Häfen, Handhabung verursachen die meisten Schäden)
  • Prädiktive Wartung – Investitionen zur Verstärkung gefährdeter Stellen an Containern, bevor Schäden entstehen
  • Längere Lebensdauer von Containern, reduzierte Kosten, umweltfreundlicherer Betrieb

Praktische Anwendungsbeispiele (Case Studies)

Praktisches Beispiel:
Ein aus der Vermietung zurückgegebener Container hat den Eintrag:

    FLR-B7N-H-RP 20x20cm
    (Boden, untere Hälfte, Bereich 7, Durchbruch, kompletter Teileaustausch, Größe 20×20 cm)
    → Automatisch generierte Preiskalkulation, Genehmigung durch Eigentümer, Reparaturauftrag.

    Automatisierte Kontrolle:
    Ein KI-System erkennt auf dem Dachpanel eine 30×10×2 cm große Beule und erstellt automatisch einen Eintrag:

      RFP-T3N-D-ST 30x10x2cm
      → System weist Reparatur zu und reiht sie in die Warteschlange des Reparaturhofs ein.

      Häufig gestellte Fragen (FAQ)

      Was ist der Unterschied zwischen CEDEX und IICL-Codes?
      CEDEX ist eine universelle Sprache zur Beschreibung von Zustand und Reparaturen, IICL bestimmt die Regeln, wann ein Schaden „außerhalb der Grenzen” liegt und repariert werden muss. In der Praxis werden sie zusammen verwendet.

      Wo finde ich vollständige Code-Tabellen?
      Offizielle Listen werden von BIC (für CEDEX) und IICL (für Inspektionsstandards) veröffentlicht.

      Warum ist es notwendig, Codes mit Abmessungen anzugeben?
      Die Größe/das Ausmaß des Schadens ist entscheidend für die korrekte Berechnung der Reparaturkosten und die Bestimmung des Schweregrades des Mangels.

      Damage und Survey Codes bilden das Rückgrat eines effizienten und sicheren Containerpark-Managements – sie ermöglichen eine eindeutige Bestimmung, was, wo und wie beschädigt wurde, wie es zu reparieren ist und zu welchen Kosten. Sie sind die Grundlage für Digitalisierung, Automatisierung, prädiktive Wartung und umweltverantwortlichen Betrieb. Ohne sie wäre die globale Containerlogistik in der Form, wie wir sie heute kennen, nicht möglich.