Glossar > #Gefährliche Güter

Gefährliche Güter in Schiffscontainern

Gefährliche Güter (engl. Hazardous Goods, Dangerous Goods, Hazmat) sind Stoffe, Gemische oder Gegenstände, die aufgrund ihrer chemischen, physikalischen oder biologischen Natur ein Risiko für die menschliche Gesundheit, Sicherheit, Eigentum oder die Umwelt beim Transport und bei der Lagerung darstellen. Diese Materialien umfassen ein breites Spektrum von Gegenständen, von Sprengstoffen und brennbaren Stoffen über Ätzchemikalien, radioaktive Stoffe bis hin zu modernen Lithium-Ionen-Batterien.

Transport gefährlicher Güter in Schiffscontainern ist ein Bereich der Weltlogistik mit dem höchsten Regulierungs- und Sicherheitsanforderungsniveau. Die Regeln für Container mit gefährlichen Gütern basieren auf internationalen Vereinbarungen und Kodizes, insbesondere dem IMDG-Code und dem ADR (für den Straßentransport). Der Grund dafür ist die Gewährleistung, dass Chemikalien, Gase, Sprengstoffe und andere Risikostoffe unter maximaler Schutz der menschlichen Gesundheit, des Eigentums und der Umwelt transportiert werden.

Unterschied zwischen Hazardous Materials und Dangerous Goods

In der internationalen Transportpraxis treffen Sie häufig auf zwei Begriffe:

  • Hazardous Materials (Hazmat): In den USA bevorzugt, definiert durch das US-amerikanische Verkehrsministerium (DOT); bezeichnet jeden Stoff mit unverhältnismäßigem Risiko beim Transport.
  • Dangerous Goods (DG): Standard in der internationalen See- und Luftfahrt; verwendet von Organisationen wie der IMO (Internationale Seeschifffahrtsorganisation) und der ICAO (Internationale Zivilluftfahrtorganisation).

In der europäischen und weltweiten Seeschifffahrt ist der Begriff Dangerous Goods und der damit verbundene IMDG-Code entscheidend.

IMDG-Code – Rechtsgrundlage für Transportsicherheit

International Maritime Dangerous Goods Code (IMDG-Code) ist ein rechtsverbindlicher Kodex, der einheitliche Regeln für den Transport gefährlicher Stoffe und Gegenstände auf dem Meer festlegt. Die Verwaltung des Kodex wird von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), einer spezialisierten UN-Agentur, gewährleistet.

Warum ist der IMDG-Code für den Transport in Containern entscheidend?

Ziele des IMDG-Code:

ZielBeschreibung
Schutz der Besatzung und des PersonalsMinimierung des Risikos für jeden, der mit gefährlichem Ladegut in Kontakt kommt.
Schutz von EigentumVerhinderung von Schäden an Schiffen, Containern und anderen Ladegütern.
Schutz der UmweltVerhinderung von Lecks und Kontamination von Meeren und Ozeanen.

Der Kodex legt detailliert Anforderungen für Klassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung, Etikettierung, Dokumentation, Lagerung und Trennung gefährlicher Güter in Containern fest.

Klassifizierung gefährlicher Güter: 9 UN-Klassen

Das UN-System unterteilt gefährliche Stoffe in 9 grundlegende Gefahrenklassen. Jede Klasse hat spezifische Regeln für Verpackung, Kennzeichnung und Transport in Containern.

Tabelle: Übersicht der Gefahrenklassen

KlasseNameBeispielTypische Verpackung/ContainerTransportanforderungen
1SprengstoffeMunition, PyrotechnikSpezielle Sprengstoffboxen, IMO 1 ContainerStrenge Grenzen, Trennung, behördliche Genehmigung
2GaseAcetylen, Chlor, StickstoffDruckflaschen, TankcontainerDichtigkeitskontrolle, Ventile, Kennzeichnung
3Brennbare FlüssigkeitenBenzin, Lacke, AlkoholIBC-Container, Fässer, TankcontainerSchutz vor Funkenflug, Belüftung
4Brennbare Feststoffe, SelbstentzündungStreichhölzer, SchwefelFässer, Behälter, KistenTrockene Umgebung, Trennung von Wasser
5Oxidierende Stoffe, PeroxideNitrate, WasserstoffperoxidVerstärkte Verpackungen, IBCGetrennt von brennbaren Stoffen
6Giftige, infektiöse StoffeCyanide, biologische ProbenHermetische Behälter, KartonsBesatzungsschutz, Notfallplan
7Radioaktive MaterialienMedizinische Isotope, UranZertifizierte Boxen Typ A/B/CSpezielle Lizenz, Überwachung
8ÄtzchemikalienSchwefelsäure, LaugeKunststofffässer, IBCSchutz vor Lecks, Belüftung
9Sonstige gefährliche StoffeLithium-Batterien, TrockeneisKartons, IBC, spezielle BoxenSpezifische Bedingungen gemäß IMDG

Detaillierte Analyse einzelner Klassen

Klasse 1: Sprengstoffe

  • Unterteilung in 6 Unterklassen je nach Risikotyp (Massenexplosion, Splitterflug, Brand usw.).
  • Transport nur in zertifizierten Verpackungen mit entsprechenden Etiketten.
  • Erfordert spezielle Genehmigung, Trennung von anderen Klassen, Verbot des Rauchens/Umgangs mit offener Flamme.

Klasse 2: Gase

  • Unterteilt in brennbar, nicht brennbar/nicht giftig und giftig.
  • Häufigste Verpackung: Druckflaschen, oft in speziellen Rahmencontainern.
  • Ventile müssen geschützt werden, Überhitzung über zulässige Temperatur muss verhindert werden.
  • Bei Gaslecks besteht Explosions-, Vergiftungs- oder Erstickungsgefahr.
Storage-of-flammable-materials-in-a-shipping-container

Klasse 3: Brennbare Flüssigkeiten

  • Flammpunkt unter 60 °C.
  • Typische Container: Fässer, IBC, Tankcontainer (ISO-Tanks).
  • Beim Transport muss Schutz vor statischer Elektrizität und Funkenflug gewährleistet sein.
  • Lacke, Farben, Lösungsmittel fallen häufig in diese Klasse.

Klasse 4: Brennbare Feststoffe, Selbstentzündung, Stoffe, die mit Wasser reagieren

  • Brennbare Feststoffe: Zelluloid, Streichhölzer, Schwefel.
  • Stoffe, die zur Selbstentzündung neigen: Phosphor, Kohle – müssen in inertier Atmosphäre verpackt werden, vor Luft geschützt.
  • Stoffe, die Gase mit Wasser freisetzen: Calciumcarbid, Natrium – Transport in trockener Form, Kontakt mit Feuchtigkeit verboten.

Klasse 5: Oxidierende Stoffe und organische Peroxide

  • Können die Verbrennung anderer Stoffe auch ohne Sauerstoffzufuhr unterstützen.
  • Typische Verpackung: verstärkte Kunststoff- oder Metallbehälter, IBC.
  • Trennung von brennbaren Stoffen, selbstentzündlichen Stoffen und Reduktionsmitteln erforderlich.

Klasse 6: Giftige und infektiöse Stoffe

  • Giftige Stoffe: Pestizide, Cyanide, Arsen – werden in hermetisch verschlossenen Behältern transportiert.
  • Infektiöse Stoffe: biologische Proben, Viren – strenge Anforderungen an Kennzeichnung, Verpackung in drei Schichten (primär, sekundär, äußere Verpackung).
  • Spezieller Notfallplan für den Fall eines Lecks.

Klasse 7: Radioaktive Materialien

  • Behälter müssen strenge Anforderungen an Widerstandsfähigkeit, Undurchlässigkeit und Abschirmung erfüllen.
  • Alle Sendungen werden sorgfältig überwacht, der Transport darf nur von speziell zertifizierten Transportunternehmen durchgeführt werden.
  • Beispiele: medizinische oder industrielle Radioisotope.

Klasse 8: Ätzchemikalien

  • Stoffe, die lebende Gewebe verätzen und/oder Container beschädigen.
  • Typische Verpackung: Fässer aus chemisch beständigem Kunststoff, IBC-Container mit innerer Auskleidung.
  • Maßnahmen gegen Lecks, Kennzeichnung mit „CORROSIVE” erforderlich.

Klasse 9: Sonstige gefährliche Stoffe

  • Breites Spektrum: Lithium-Ionen-Batterien, Trockeneis, genetisch veränderte Organismen.
  • Spezifische Anforderungen je nach Stoffnatur, oft Kombination mehrerer Risiken (z. B. Brennbarkeit + Giftigkeit).

Anforderungen an Verpackung, Containertypen und deren Zertifizierung

Containertypen für gefährliche Güter

ContainertypVerwendungBesonderheiten
Standard-ISO-ContainerFeststoffe, einige Flüssigkeiten in BehälternOrdnungsgemäße Befestigung, Belüftung erforderlich
Tankcontainer (ISO-Tank)Flüssigkeiten, GaseEingebauter Tank, Zertifizierung gemäß IMDG
IBC (Intermediate Bulk Container)Flüssigkeiten, FeststoffeVolumen 450–3000 l, UN-Zertifizierung
SpezialcontainerSprengstoffe, radioaktive StoffeVerstärkte Konstruktion, Überwachung

Zertifizierung und Prüfung von Behältern

  • Behälter müssen UN-zertifiziert und auf Fallbeständigkeit, Druck, Durchstoßfestigkeit und Lecksicherheit getestet sein.
  • Jeder Behälter ist mit einem UN-Code gekennzeichnet (z. B. 1A1/Y1.2/250/22/D/BAM12345).

Tabelle: Haupttypen von UN-Behältern

CodeBehältertypBeispiel der Verwendung
1A1Stahlstahlfass mit festem KopfBrennbare Flüssigkeiten, Ätzchemikalien
3H1KunststoffkanisterGiftige Flüssigkeiten
4GKombinierter Behälter (Karton)Kleinere Chemikalienverpackungen
6HA1Kombinierter BehälterStoffe, die doppelte Sicherung erfordern

Kennzeichnung, Etikettierung und Dokumentation

Kennzeichnung (Marking)

  • Jedes Paket/jeder Container muss mit UN-Nummer (z. B. UN 1993), offiziellem Namen, Behältercode und anderen Daten gekennzeichnet sein.
  • Für Stoffe, die die Meeresumwelt gefährden, ist die Kennzeichnung „Marine Pollutant” erforderlich.
Can-flammable-materials-be-transported-in-a-shipping-container

Etiketten und Plakate (Labels & Placards)

  • Jeder Behälter trägt ein Diamant-Etikett mit Klassennummer, Piktogramm und möglicherweise Gefahrencode.
  • Auf Containern sind größere Plakate (Placards) auf allen Seiten erforderlich.
  • Einige Klassen erfordern mehrere Etiketten (z. B. brennbar + giftig).

Beispiele für Etiketten:

  • Klasse 3 (Brennbare Flüssigkeiten): roter Diamant mit Flamme und Nummer 3.
  • Klasse 8 (Ätzchemikalien): schwarz-weißer Diamant mit Hand und von Flüssigkeit verätzetem Metall.

Dokumentation

  • Dangerous Goods Declaration (DGD): Schlüsseldokument, in dem der Absender die ordnungsgemäße Klassifizierung, Verpackung und Kennzeichnung bestätigt.
  • Container/Vehicle Packing Certificate: Bestätigung der ordnungsgemäßen Beladung und Sicherung der Ware.
  • Transport Emergency Card (Tremcard): Anweisungen für Fahrer/Transportunternehmen im Notfall.

Lagerung und Trennung im Container

  • Stowage: Gefährliche Güter müssen im Container sicher gegen Bewegung, Umkippen oder Beschädigung gesichert sein.
  • Segregation: Der IMDG-Code legt eine Tabelle unverträglicher Klassen/Stoffe fest – z. B. dürfen Säuren nicht mit Stoffen zusammen sein, die heftig mit ihnen reagieren.
  • Praktische Regeln: Brennbare Stoffe, giftige Stoffe und Oxidationsmittel sollten durch Trennwände getrennt werden, in separaten Teilen des Containers.

Rollen und Verantwortung in der Lieferkette

Übersicht der Verantwortung

SubjektVerantwortung
AbsenderKlassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung, Dokumentation
VerpackungsbetriebOrdnungsgemäße Lagerung, Ladungssicherung, Ausstellung des Packing Certificate
TransportunternehmenÜberprüfung der Dokumentation, ordnungsgemäße Stowage, Trennung auf dem Schiff
SchiffskapitänEndgültige Genehmigung, Möglichkeit, Ladung abzulehnen
Empfangende ParteiÜberprüfung der BehälterIntegrität, Übernahme der Verantwortung

Notfallbereitschaft und Sicherheit

  • Emergency Response Procedures (EmS Guide): Teil des IMDG-Codes, bietet der Schiffsbesatzung detaillierte Anweisungen zur Bewältigung von Bränden, Lecks und anderen Notfällen.
  • Medical First Aid Guide (MFAG): Anleitung zur Ersten Hilfe bei Exposition gegenüber gefährlichen Stoffen.
  • 24/7-Notfallkontakt: Der Absender muss häufig eine Kontaktperson oder einen Service (z. B. CHEMTREC) angeben, der sofort im Notfall beraten kann.
  • Regelmäßige Schulung der Besatzung: Alle Mitarbeiter müssen gemäß IMDG-Code geschult werden.