Corner Castings und ihre Bedeutung

19. 10. 2025

Corner Casting (oder corner fitting) ist ein grundlegendes, hochstandardisiertes Struktur‑Bauelement, das sich an jedem der acht Ecken von intermodalen Containern (ISO‑Container) befindet. Es handelt sich um einen robusten Block aus gegossener Stahl, millimetergenau bearbeitet. Er dient als universeller Verbindungs‑ und Tragpunkt, der Manipulation, Stapelung, Befestigung und Transport des Containers über die gesamte Logistikkette – See‑, Schienen‑ und Straßenverkehr – ermöglicht. Trotz seiner unscheinbaren Form bilden Corner Castings die Grundlage für Funktionalität und Sicherheit des weltweiten Containerverkehrs.

Schlüsselattribute von Corner Castings

  • Position: An allen vier oberen und vier unteren Ecken des ISO‑Containers.
  • Material: Hochfester gegossener Stahl (meist ohne legierende Zusätze, gelegentlich Corten‑Stahl).
  • Abmessungen: Streng nach ISO 1161 – 178 mm × 162 mm × 118 mm.
  • Zertifizierung: Alle Corner Castings müssen die Norm ISO 1161:2016 erfüllen und auf Festigkeit sowie Maßgenauigkeit getestet sein.

Detaillierte Definition und Charakteristik

Ein Corner Casting ist weit mehr als ein „Stück Eisen“. Es ist eine ausgeklügelte Konstruktionslösung, die sämtliche Kräfte, die während Transport und Handling auf den Container wirken, aufnimmt. Alle Kräfte – das Gewicht der Ladung, Druck beim Stapeln, dynamische Stöße während des Transports – konzentrieren sich exakt auf diese acht Punkte. Deshalb sind Corner Castings so ausgelegt und getestet, dass sie extremen Belastungen standhalten.

Material‑Spezifikationen

EigenschaftGegossener Stahl (cast steel)Aluminium (aluminium)
FestigkeitHoch (steht Stapelung von 9–10 Containerschichten)Niedriger (ungeeignet für extreme Belastungen)
SchweißbarkeitHervorragendEingeschränkt, erfordert spezielle Verfahren
KorrosionsbeständigkeitHoch (Corten‑Stahl)Sehr gut, aber geringere Wärmebeständigkeit
PreisNiedrigerDeutlich höher
TemperaturbeständigkeitHoch (‑50 °C bis +70 °C)Niedriger (Verformung bei höheren Temperaturen)

Fazit: Gegossener Stahl ist für Corner Castings entscheidend, nicht nur wegen seiner Festigkeit, sondern auch wegen hervorragender Schweißbarkeit und mechanischer Eigenschaften unter extremen Bedingungen.


Anatomie eines Corner Castings: Drei technische Bohrungen

Jedes Corner Casting verfügt auf drei Seiten über Bohrungen, die jeweils spezielle Funktionen erfüllen:

SeiteForm und Maße der BohrungFunktion
Seitenbohrung (lang)Oval (stadium), ca. 65 mm × 130 mmHorizontale Verbindung (Bridge‑Clamps, Zubehör)
Seitenbohrung (kurz)Oval (stadium), ca. 65 mm × 130 mmZugang für Spreaders, Verzurrungen
Ober‑/UnterbohrungRund, Durchmesser ca. 51 mmHeben mit Kran, Twist‑Locks, Stapelung

Hinweis: Form und genaue Maße der Bohrungen sind in ISO 1161 festgelegt und müssen Millimeter‑Toleranzen für die globale Kompatibilität von Handling‑Technik (Twist‑Locks, Spreaders, Krane) entsprechen.

Typen von Bohrungen im Corner Casting

  • Seitliche „Stadium“-Bohrungen: Ermöglichen das Verbinden von Containern nebeneinander.
  • Obere/untere Bohrung: Für Twist‑Locks beim Stapeln oder zur Befestigung am Fahrzeug.
  • Vordere Bohrung (bei oberen Corner Castings): Optimiert für das einfache Greifen mit Kranen.

Typologie der Corner Castings: Varianten nach Position

In einem Container werden vier Corner‑Casting‑Typen verwendet (jeweils paarweise):

  • Top Left (TL) – oben links
  • Top Right (TR) – oben rechts
  • Bottom Left (BL) – unten links
  • Bottom Right (BR) – unten rechts

Jeder Typ ist spiegelbildlich symmetrisch; die exakte Platzierung der Bohrungen ist entscheidend für das Funktionieren des gesamten Systems. An jedem Ende des Containers befindet sich ein Satz von vier Typen, am anderen Ende ist die Anordnung identisch wiederholt.


Schlüssel­funktionen und Bedeutung in der Logistik

  • Heben und Handling: Nur über die Corner Castings kann ein voll beladener Container sicher gehoben werden. Krane, Reach‑Stacker und Spreaders sind exakt nach den Maßen und Bohrungen der Corner Castings ausgelegt.
  • Stapelung: Erlaubt das Stapeln von Containern bis zu 9–10 Schichten auf Schiffen. Alle Kräfte werden über die acht Corner Castings übertragen, wodurch Boden und Wände des Containers geschützt werden.
  • Befestigung und Sicherung: Container werden mittels Twist‑Locks, die in die unteren Corner Castings eingesetzt werden, an Zugfahrzeugen (Zug, Schiff, Lkw) fixiert.
  • Strukturelle Integrität: Das gesamte Gewicht (Ladung und überlagerte Container) wird über diese 8 Punkte getragen; die Corner Castings ragen daher leicht aus der Kontur des Containers heraus.
  • Intermodalität: Durch die Standardisierung können Container nahtlos zwischen den Verkehrsträgern wechseln, ohne dass das Umladen von Gütern nötig ist (Schiff ↔ Zug ↔ Lkw).

Norm ISO 1161: Grundpfeiler für Sicherheit und Kompatibilität

ISO 1161:2016 („Series 1 freight containers — Corner and intermediate fittings — Specifications“) ist essenziell für das globale Container‑Transportsystem.

Hauptpunkte der ISO 1161

  • Maßtoleranzen: Exakte Abmessungen der Corner Castings und Bohrungen mit Abweichungen im Bereich von 0 bis +1,5 mm.
  • Festigkeitsanforderungen: Jeder Corner Casting muss mindestens 86 kN Zugkraft (Heben) und bis zu 500 kN Druck (Stapelung) standhalten.
  • Funktionsanforderungen: Kompatibilität mit Twist‑Locks, Spreaders und anderen Handling‑Komponenten weltweit.
  • Prüfung: Der Hersteller muss Belastungstests nachweisen und Zertifikate vorlegen.

Hinweis: Container, die ISO 1161 nicht erfüllen, dürfen nicht im regulären internationalen Verkehr eingesetzt werden.


Herstellung und Qualitätskontrolle

Produktionsprozess von Corner Castings

  1. Stahlguss in Formen nach genauen Zeichnungen (meist Sandguss oder Präzisionsguss).
  2. Nachbearbeitung von Oberflächen und Bohrungen (Fräsen, Bohren) mit Zehntel‑Millimeter‑Genauigkeit.
  3. Materialprüfung (Zug‑, Druck‑ und Ermüdungsprüfungen).
  4. Zertifizierung: Jede Produktionscharge wird zertifiziert (z. B. Lloyd’s Register, DNV GL, Bureau Veritas).
  5. Oberflächenbehandlung: Korrosionsschutzlack, ggf. spezielle Schutzschichten.

Inspektion: Jeder Corner Casting wird während der Lebensdauer des Containers regelmäßig geprüft; beschädigte oder nicht konforme Castings müssen fachgerecht ausgetauscht werden.


Technische Parameter und Tabellen

Übersicht der Abmessungen und Grunddaten nach ISO 1161

ParameterWert
Außenmaße178 mm × 162 mm × 118 mm
Bohrungsdurchmesserca. 51 mm (rund), 65 mm × 130 mm (oval)
Gewicht11–12,5 kg
MaterialGegossener Stahl S355 (ohne Legierung, gelegentlich Corten)
Mindestzugfestigkeit86 kN
Max. Stapelbelastungbis zu 500 kN

Typen von Containern und Universalität der Corner Castings

Corner Castings nach ISO 1161 kommen in allen gängigen Containertypen zum Einsatz:

ContainertypBeschreibung und Bedeutung der Corner Castings
Standard (Dry)Grundlegende Anwendung: Tragfähigkeit, Stapelung, Handling
Kühlcontainer (Reefer)Gleiches Handling wie bei Standardcontainern
Open‑TopGewährleistet strukturelle Festigkeit ohne feste Decke
Flat‑RackWichtig für das Handling von übergroßen Lasten
TankcontainerTragrahmen mit 8 Corner Castings ermöglicht Standardtransport
Spezial (High‑Cube, Open‑Side)Standard‑Corner Castings bleiben erhalten für volle Kompatibilität

Verwandte Komponenten, Systeme und Zubehör

  • Twist‑Locks (Sicherheitsverschlüsse): Mechanische Schlösser, die in die Bohrungen der Corner Castings eingesetzt werden und durch Drehen den Container sichern. Es gibt manuelle und automatische Varianten.
  • Spreaders: Kranausleger auf Portalkränen, die exakt an den vier oberen Corner Castings ansetzen und ein schnelles, sicheres Heben ermöglichen.
  • Bridge‑Clamps: Horizontale Klammern für die Verbindung benachbarter Container (z. B. in Lagerhallen oder auf Schiffen).
  • Corner Posts: Bilden zusammen mit den Corner Castings das Grundgerüst des Containers.
  • Rails (Längsträger): Obere und untere horizontale Träger, die die Corner Castings verbinden.

Wartung, Inspektion und Reparatur von Corner Castings

Empfohlene Vorgehensweise

  • Regelmäßige Inspektion: Kontrolle auf Korrosion, Verformungen, Risse und Verschleiß der Bohrungen.
  • Reparatur: Beschädigte Castings dürfen nur von zertifizierten Schweißern nach IICL‑Standards ausgetauscht werden. Der Vorgang umfasst das Abschneiden des alten Castings, Oberflächenvorbereitung und präzises Anbringen des neuen Castings mit nachfolgender Schweißprüfung.
  • Korrosionsprävention: Regelmäßiges Anstreichen und Auftragen von Antikorrosionsmitteln, insbesondere an exponierten Stellen (Bohrungen, Schweißnähte).
  • Untergrundunterstützung: Beim Abstellen des Containers auf weichem Untergrund (Lehm, Kies) sollten die unteren Corner Castings mit Holz oder Betonunterlagen geschützt werden, um Einsinken und Instabilität zu vermeiden.

Corner Castings in der Praxis: Hersteller, Einkauf und Anwendung

Qualitäts‑Corner Castings bieten spezialisierte Hersteller und Distributoren, die die Einhaltung von ISO 1161 garantieren, z. B. Konijnenburg BV, Conexwest, CIMC Equilink, Industrial Wheels. Es wird empfohlen, ausschließlich zertifizierte Produkte mit nachgewiesenen Belastungstests und Maßprotokollen zu beziehen.

Bei der Auswahl zu beachten:

  • Material (gegossener Stahl, idealerweise S355 ohne Legierung)
  • Zertifizierung (ISO 1161, Lloyd’s Register usw.)
  • Oberflächenbehandlung (Antikorrosionslack)
  • Möglichkeit der Lieferung kompletter Sets für alle Containertypen


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